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18.09.2014

Kaminabend „Arbeitswelt inklusiv – Beispiele aus der Unternehmenspraxis“

Positive Erfahrungen besiegen Berührungsängste und Vorbehalte

Waltraut Haupts, Iwan Budnikowski GmbH & Co. KG:Waltraut Haupts, Iwan Budnikowski GmbH & Co. KG:
Waltraut Haupts, Iwan Budnikowski GmbH & Co. KG: "Die Fotos wurden alle im frühen Sommer bei einem unserer Startseminare aufgenommen. Wenn gehörlose Mitarbeiter bei uns anfangen zu arbeiten, werden sie wie alle anderen Mitarbeiter auch zu dem Startseminar eingeladen. Hier lernen sie die verschiedenen Bereiche kennen und insbesondere die Geschäftsleitung. Unseren gehörlosen Mitarbeitern stellen wir Dolmetscher zur Seite."

Wie Inklusion in Unternehmen gelebt wird, präsentierten die Otto Group und die Iwan Budnikowsky & Co KG auf dem Kaminabend „Arbeitswelt inklusiv“, den das Demographie Netzwerk Hamburg und das Inklusionsbüros Hamburg am 18. September 2014 gemeinsam ausgerichtet hatten.

Carsten Krohn, Corporate Human Resources bei der Otto Group, zeigte am Beispiel einer Kollegin mit Down-Syndrom auf, wie positiv sich Vielfalt auf das soziale Miteinander auswirkt: „Ihre Fröhlichkeit ist einfach ansteckend und sie hat ein sehr feines Gespür für Stimmungen. Wir schätzen es sehr, dass sie die Dinge sehr offen und direkt anspricht.“ Der Getränkeservice für die Mitarbeiter/-innen trägt außerdem zu einer gesunden Pause mit bei. Für die Einarbeitung hat Herr Krohn, der die junge Frau im Unternehmen betreut, die Hamburger Arbeitsassistenz zu Rate gezogen, die ihn auch weiterhin beratend unterstützt.
Die Otto Group hat 20111 ein übergreifendes Diversity Konzept entwickelt, das Menschen mit Behinderungen als eine der vier Fokusgruppen adressiert. Angesichts des zunehmenden Wettbewerbsdruckes in der Branche wird Vielfalt als Chance gesehen, Mitarbeiterpotenziale zu entwickeln und qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen.

Über die gelungene Integration von acht gehörlosen Mitarbeitern/-innen berichtete Waltraud Haupts, Mitarbeitervertreterin in der Iwan Budnikowsky & Co KG. Kommunikationsbarrieren können mit Hilfe verschiedener Instrumente überwunden werden. Für ihre Tätigkeit im Lager nutzen die Kollegen zum Beispiel Schreibprogramme und hörende Kollegen/-innen erhalten Unterricht in Gebärdensprache. In den Seminaren für neue Mitarbeiter/-innen und in persönlichen Gesprächen stehen den gehörlosen Kollegen/-innen Gebärdendolmetscher zur Seite. Frau Haupts verwies auf die Angebote von Tess Relay-Dienste, die ferndolmetschen für Gehörlose offerieren. Die Kostenübernahme kann beim Integrationsamt beantragt werden.

Zum Thema „Schwerhörigkeit“ hat Heike Clauss, DIAS GmbH, im Forschungsprojekt „hörkomm“ einen Leitfaden für Unternehmen entwickelt, und in zahlreichen Firmen, u. a. bei der Airbus Operations GmbH, der Otto Group und der tesa SE, in Aktivitäten umgesetzt. Schwerhörigkeit betrifft ca. 20 Prozent der Bevölkerung, nimmt mit dem Alter zu und wird im Unternehmensalltag oft nicht wahrgenommen. Der Prävention kommt eine entscheidende Rolle zu. Unternehmen können durch Ausstattung, Materialien und Raumaufteilung gute akustische Bedingungen schaffen. Eine hörfreundliche Umgebung sollte bei Baumaßnahmen gleich mitgedacht werden, dann fallen auch die Kosten gering aus, z. B. beim Einbau einer induktiven Höranlage für Besprechungsräume.

Hansjörg Lüttke
Hansjörg Lüttke, GF Vorstand der KWB e. V., bei der Begrüßung der Gäste

Das Mitdenken von Vielfalt ist auch ein Anliegen, das Klaus Becker, Inklusionsbüro Hamburg, in der Unternehmenspraxis verankern möchte. Das Büro bietet Schulungen und „Runde Tische“ zum Informations- und Erfahrungsaustausch an und plant im kommenden Jahr gemeinsam mit dem Hamburger Sportbund eine Diversity Initiative, um die Zivilgesellschaft auf das Thema aufmerksam zu machen. Becker lobte das gut aufgestellte Hilfesystem in Hamburg und das Ansinnen der Fachkräftestrategie, die Beschäftigungsquote von Behinderten zu erhöhen, vermisste jedoch die Absicht, Führungskräfte dafür zu gewinnen, die Arbeitsbedingungen behindertengerecht zu gestalten.

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass nicht etwa das Controlling das größte Hemmnis im Unternehmen darstellt, sondern Berührungsängste gegenüber Menschen mit Behinderungen und Vorurteile bezüglich ihrer Leistungsfähigkeit. Vorbehalte bauen sich jedoch am schnellsten in der Praxis ab. Teilnehmer/-innen berichteten in der Runde von positiven Erfahrungen und sehen darin eine Chancen für ihr Unternehmen, jede/n Mitarbeiter/-innen seinen individuellen Fähigkeiten gemäß einzusetzen und optimale Arbeitsbedingungen zu deren Entfaltung zu schaffen.

 

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Carsten Krohn, Corporate Human Resources bei der Otto Group
Carsten Krohn, Corporate Human Resources bei der Otto Group
Carsten Krohn, Corporate Human Resources
Carsten Krohn, Corporate Human Resources bei der Otto Group, Klaus Becker, Inklusionsbüro Hamburg, Waltraud Haupts, Mitarbeitervertreterin der Iwan Budnikowsky GmbH & Co. KG, Heike Clauss, Forschungsprojekt „hörkomm“, DIAS GmbH und Hansjörg Lüttke, GF Vorstand, KWB e. V. (von links)