Die Realität der BestAger passt längst nicht mehr in alte Schubladen

In der Coffee Break 50+ im März hatten wir Gäste aus Österreich zum digitalen Besuch und konnten so einen fruchtbaren grenzüberschreitenden Austausch mit über 50 Teilnehmenden (bei weit über 80 Anmeldungen) gestalten. 

Screenshots der Referierenden Screenshots der Referierenden
Den Impuls gaben Ulrike Ischler und Jörg Schaden der österreichischen Initiative "Wir BestAger".

Warum eine öffentliche Plattform wichtig ist - gerade für Menschen 50+

Die Grundlage des Inputs war "Wir BestAger", eine Initiative der beiden Gründer Ulrike Ischler und Jörg Schaden. Beide wollen eine Bewegung entfachen für eine neues Altersbild: agil, wissbegierig, engagiert, offen und tätig. Vor allem aber will "Wir BestAger" eine Community-Bewegung werden, ein gesellschaftlicher Impuls und Appell, sich mit dieser Lebensphase positiv und zukunftsoffen zu befassen und sie aktiv zu gestalten.

Auslöser zur Etablierung der Plattform war das persönliche Erleben, mit Mitte/Ende 50 keinen adäquaten Job mehr zu finden. Und der Auslöser fußt zudem auf dem vorangehenden professionellen Wissen der Expert- und Executive-Search-Geschäftsführerin Ulrike um die seit Jahrzehnten fast gleichbleibende Altersdiskriminierung am Arbeitsmarkt. Menschen 50+, hochqualifiziert, engagiert, bestens geeignet, wurden nach ihrer Erfahrung dennoch nahezu systematisch abgelehnt.

Eine Plattform, die verbindet, stärkt und inspiriert

Angebote von Angebote von
"Wir BestAger" bietet einen Newsletter, Seminare, Treffen und einen Marktplatz.

Es ist also ein echtes Herzensprojekt – inzwischen mit einem breiten Internet-Angebot, das Mitte 2023 online ging. Das Portal wir-bestager.jetzt bietet in drei Schwerpunkten Informationen für die Zielgruppe an: Inhalte, Services und Vernetzungsmöglichkeiten. "Wir BestAger" ist damit die umfangreichste österreichische Plattform für aktive Menschen der Generation 50-75. Die etwa 20.000 monatlichen Besucher/-innen der Webseite zeigen die große Resonanz und Relevanz.

Im Wissensbereich werden Interviews, Informationen, Berichte, kostenfreie Guides oder Seminare zu digitalen und KI-Kompetenzen angeboten. Letztere zielen auf digitale Selbstbestimmung und Teilhabe im Alltag (Behörden, Gesundheit, Banking etc.) und auf aktuelles Wissen, um die Nutzung von KI-Tools und deren Bedienung und Grenzen, um die Handlungsfähigkeit und Kompetenzen up to date zu halten. Die Informationen werden auch über den 14-tägigen Newsletter versendet.

Der Blog umfasst neben Gesundheits- und Fitnessthemen und Reiseberichten auch Informationen zu Digitalem und Technik sowie zu Recht und Finanzen. BestAger-Interviews ermöglichen das Eintauchen in Lebensgeschichten und neue Lebensentwürfe. Einladungen zu Live-Vernetzungstreffen finden sich in der entsprechenden Rubrik und wie in einem digitalen Schaufenster kann man die sehr vielfältigen Angebote auf dem Marktplatz durchsuchen. Sie bieten Kontakte und Vorteilsangebote – von Jobplattformen über Initiativen und Communities bis hin zu Unternehmen und Coaches.

Raum, Stimme und Sichtbarkeit zu geben, ist dabei der Königsweg, dass Menschen 50+ sich einbringen, ihre Erfahrungen teilen und sich mit diesem "Kapital des Lebens" ihren Platz nehmen. Auch über die Pensionsschwelle hinaus: Denn, wer jahrzehntelang beruflich gestaltet hat, hört nicht auf einmal damit auf. 

Motto: Die Zukunft gehört denen, die gestalten  – egal welchen Alters.

Zwischen Unsichtbarkeit und Potenzial:
Warum die Generation 50+ mehr Aufmerksamkeit verdient

In unserer Coffee Break 50+ sind wir aber weit darüber hinaus gegangen und haben die Diskurslandschaft betrachtet  – gesellschaftlich wie politisch. Jörg hatte eingangs einen Überblick gegeben über die Altersstruktur, die sozialrechtlichen Bedingungen für Altersgrenzen (Pensionierung) und die ökonomischen Besonderheiten mit den vielen Kleinstunternehmen Österreichs skizziert. Die Frage ist jedoch, warum die öffentliche Wahrnehmung der sehr unterschiedlichen und vielfältigen Gruppierungen 50+ in Medien, Wirtschaft und Politik noch immer unzureichend ist.

Eine mediale Flaute konstatierten Ulrike und Jörg, selbst wenn in hochkarätigen Rahmen die a.g.e-Awards (a.g.e. = alter gemeinsam erleben) überreicht werden  – so im November 2025 an "Wir BestAger", die in der Kategorie gesellschaftliche Wirkung ausgezeichnet wurden. Während diese neu erworbene Sichtbarkeit in der Zielgruppe große Resonanz fand, so reicht das nicht aus, die Bestager-Gruppierungen aus der medialen und ökonomischen Grauzone zu holen. Das war eine der brennenden Fragen im Gespräch, um ihre Potenziale am Arbeitsmarkt als wertvolle Ressourcen und Schatzkisten voller Kompetenzen nicht nur zu erkennen, sondern auch wirklich zu nutzen.

Weitere Fragen kreisten darum, wie die Größe, Altersstrukturen und Entscheidungs-Genderverteilung von Firmen Einfluss haben auf Rekrutierung Älterer, welche davon offener sind für Recruiting und Einstellung von erfahrenen Professionals. Und wie insbesondere die Recruitingbereiche und  – noch zentraler  – die Entscheidenden für Einstellungen besser erreicht werden können, um Skill-, aber nicht Altersmaßstäbe anzulegen.

Take-Aways

Eine Erkenntnis war, dass die heute mittelalten Entscheidenden nachhaltig von ihren Vorgänger/-innen geprägt wurden und von diesen Stereotypen übernommen haben, ohne diese für heutige und künftige Kontexte zu reflektieren.

Eine andere – strukturell wie wirtschaftskulturell bekannte – Tatsache ist die systemische Förderung des Ausscheidens statt der Ermöglichung des Längerarbeitens. Statt Bindungskulturen und neuartigen Entwicklungsmöglichkeiten werden in Österreich  – anders als in Deutschland seit einigen Jahren – Senior-Jobs im Rentenalter steuerlich eher benachteiligt. Weiterarbeit in Rente ist und bleibt hüben und drüben aber ein Zukunftsfeld der Silver Economy, das mehr Aufmerksamkeit fordert.

Wie kann Wirkung und Sichtbarkeit verstärkt werden – über die Zielgruppen hinaus?

Abschließend: Eine Option für den bewussten Umgang mit dem heutigen "Zeitalter der Aufmerksamkeitsökonomie", wo Aufmerksamkeit eine knappe, wertvolle Ressource in einer informationsüberfluteten Welt ist: Unseren gemeinsamen potenziellen Weg des grenzüberschreitenden Austauschs weiterzuführen und uns im DACH-Raum für die Zukunft verstärkt vernetzen und so mehr bewegen und bewirken.

Das Team der Coffee Break 50+. Das Team der Coffee Break 50+.
Das Team der Coffee Break 50+ freute sich über den Austausch über die Landesgrenzen hinaus.

Die Impulsgebenden

Ulrike Ischler

  • mehrfache Geschäftsführerin, Marketingexpertin, besonders im Pharma-/Kosmetik/-Bereich

  • liebt Neues aufzubauen, Veränderung und digitale Themen zu treiben (Schwerpunkt KI)

Jörg Schaden

  • Journalist, PR-Profi, Medienexperte mit eigener Agentur

  • verantwortet derzeit die Pressearbeit im Projekt und will sich nach der Pensionierung noch aktiver einbringen