Wie gelingt Digitalisierung so, dass alle Beschäftigten mitgenommen werden? Dieser Frage widmete sich das Forum Qualifizierung & Wissensmanagement am 2. Juli 2026.
Im Mittelpunkt stand die Perspektive der Mitarbeitenden. Denn digitale Veränderungsprozesse eröffnen nicht nur neue Möglichkeiten, sondern können auch Unsicherheiten, Skepsis oder Ängste auslösen – insbesondere bei Beschäftigten mit geringen digitalen Vorkenntnissen. Umso wichtiger ist es, Digitalisierung als gemeinsamen Lern- und Entwicklungsprozess zu gestalten.
Digitale Kompetenzen weiter ausbauen
Die teilnehmenden Unternehmen schätzten den Stand der Schulung digitaler Kompetenzen in ihren Betrieben überwiegend im Mittelfeld ein (77 %). 15 % gaben an, dass die Schulung vollständig umgesetzt wird, während 8 % angaben, dass sie bislang überhaupt nicht erfolgt. Es besteht also weiterhin Entwicklungspotenzial.
Digitale Teilhabe braucht passgenaue Qualifizierung
Sabine Raab und Leila Robel stellten ihre Erfahrungen aus dem Projekt „Gute Aussichten Plus – Qualifizierung im Betrieb“ vor. Anhand ihrer langjährigen Arbeit mit Beschäftigten aus unterschiedlichen Branchen zeigten sie, welche Ursachen hinter geringen digitalen Grundkompetenzen liegen können und wie betriebliche Weiterbildung dazu beiträgt, Offenheit, Motivation und Sicherheit im Umgang mit digitalen Anwendungen zu fördern.
Als Gründe für die Ablehnung digitaler Anwendungen nannten die Referentinnen unter anderem den nahenden Ruhestand, verinnerlichte Stereotype – insbesondere bei Frauen („Ich kann das nicht.“) – sowie technische Hürden wie einen fehlenden Internetzugang.
Um die Teilnehmenden individuell abzuholen, werden die kostenfreien, öffentlich geförderten Schulungen (Dauer: sechs bis 20 Stunden) in Kleingruppen, in Doppelbesetzung und passgenau auf die jeweiligen Betriebe zugeschnitten durchgeführt. Den Abschluss bildet eine individuelle Weiterbildungsberatung.
Als zentrale Voraussetzungen für digitale Teilhabe nannten die Referentinnen drei Faktoren: Zugang (Access), Interesse bzw. Freude an digitalen Anwendungen (Digital Taste) und Bereitschaft (Readiness). Besonders gut gelingt es, Interesse und Motivation zu wecken, wenn ein Bezug zum Privatleben hergestellt und der konkrete Nutzen digitaler Anwendungen deutlich vermittelt wird.
Praxisbeispiel: Digitalisierung erfolgreich begleiten
Praxisnahe Einblicke gab Jonathan Sastedt, Leiter IT & Digitale Transformation beim Arbeiter-Samariter-Bund Hamburg. Er berichtete über die Einführung einer cloudbasierten Office-Lösung in einem Unternehmensbereich und erläuterte, wie die Mitarbeitenden während des Veränderungsprozesses begleitet wurden.
Dabei wurden verschiedene Ängste sichtbar: Sorgen vor mehr Transparenz und Kontrolle durch die Cloud, Unsicherheiten gegenüber Veränderungen sowie die Befürchtung, mit den neuen Anforderungen nicht Schritt halten zu können. Die Schulungen wurden eng mit dem Unternehmen abgestimmt, auf unterschiedliche Kenntnisstände zugeschnitten und in die Arbeitsabläufe integriert.
Inzwischen haben die Mitarbeitenden einen sicheren Umgang mit der neuen Software entwickelt. Gleichzeitig wurde die IT-Abteilung spürbar entlastet – für Jonathan Sastedt ein klares Zeichen für den Erfolg des Projekts. Sein Fazit: „Die Mitarbeitenden müssen eine Anlaufstelle haben und geschult werden. Transparente Kommunikation, passgenaue Schulungsangebote und die Berücksichtigung unterschiedlicher Lernvoraussetzungen haben wesentlich dazu beigetragen, Akzeptanz zu schaffen.“
Gemeinsamer Austausch über Erfolgsfaktoren
Im anschließenden Austausch diskutierten die Teilnehmenden über Herausforderungen und Erfolgsfaktoren betrieblicher Digitalisierung. Im Mittelpunkt standen insbesondere die Fragen, wie Ängste frühzeitig erkannt werden können, welche Rolle Führungskräfte im Veränderungsprozess spielen und wie Weiterbildung so gestaltet werden kann, dass alle Beschäftigten von der digitalen Transformation profitieren.