Stufenweise Wiedereingliederung – easy going oder komplexer Prozess?

Das Forum BGM nahm die stufenweise Wiedereingliederung zum Anlass, um einen genaueren Blick auf das betriebliche Gesundheitsmanagement und die Mitarbeitergesundheit in Unternehmen zu werfen.

In seinem Eingangsvortrag identifizierte Mika Fischer, stellvertretender Leiter Betriebliche Gesundheit und Prävention bei der faw, drei zentrale Herausforderungen: hohe Produktivitätsverluste durch eine Zunahme der Krankentage, erhöhte psychische Belastungen durch die Arbeitsbedingungen sowie strukturelle Defizite in der Organisation.

Das Publikum stimmt mit Karten ab. Das Publikum stimmt mit Karten ab.
Die Teilnehmenden gaben ein Handzeichen zu Fragen, wie "Wer nutzt das BEM bereits, um daraus Ableitungen für das BGM zu tätigen?".

BEM als Schlüssel zur erfolgreichen Wiedereingliederung

Mika Fischer bei seinem Vortrag. Mika Fischer bei seinem Vortrag.
BGM ist viel mehr als ein paar Feel-Good-Gimmicks, weiß Mika Fischer.

Die Lösung dieses Dilemmas sieht Fischer in einer gesundheitsförderlichen Unternehmenskultur und im Willen zur Veränderung. Dazu gehören flexible Strukturen und Arbeitsbedingungen, flankiert von einem strukturell verankerten BEM, einer nachhaltigen Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen, externer neutraler Mitarbeiterberatung, individuell passenden Maßnahmen sowie Coachings und Trainings.

Konkrete Handlungshilfe kann das BEM leisten, wenn es als effektives Instrument und nicht nur als gesetzliche Auflage gesehen wird. Christiane Oldenburg klärte zu Beginn ihres Impulses über Ziele und Bedeutung des BEM auf. Eine erfolgreiche Wiedereingliederung ist durch die sanfte Rückkehr zur Arbeit und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Arbeitgebenden gekennzeichnet. Transparenz und offene Kommunikation ermöglichen frühzeitiges Erkennen von Hürden und notwendigen Anpassungen im Prozess. Ziel ist es, dass der Mitarbeitende gesund wird und dem Unternehmen erhalten bleibt.

Blick in Publikum Blick in Publikum
Das Publikum beteiligte sich rege an der Diskussion.

Gestaltung der Wiedereingliederung

Christine Oldenburg vorm Publikum. Christine Oldenburg vorm Publikum.
Christine Oldenburg präsentierte erfolgreiche Strategien für die Umsetzung.

Wichtig für den Arbeitgebenden ist die Beachtung der rechtlichen Bedingungen. Besonders zu beachten wäre laut Oldenburg, dass betroffene Arbeitnehmende vor und während des gesamten Eingliederungsprozesses als arbeitsunfähig gelten und zusätzlich eingeplant werden müssen.

Die Arbeitsgestaltung während der Wiedereingliederung sollte nach einem detaillierten Plan erfolgen. Besondere Aufmerksamkeit verdient der erste Tag, denn er entscheidet, ob sich der Mitarbeitende am Arbeitsplatz willkommen fühlt.

Eine passgenaue Planung von Arbeitspaketen und Leistungsstufen entscheidet über den weiteren erfolgreichen Verlauf der Wiedereingliederung. Dabei ist auf eine sukzessive Steigerung der Anforderungen und eine begleitende Evaluierung zu achten.

Zum Schluss ging die Referentin auf die Rollenklärung der begleitenden Akteure ein. Während die Führungskräfte Mitarbeitende begleiten, sind BEM-Beauftragte für Datenschutz und Verfahrenssicherheit sowie Lösungswege durch fachliche Expertise (z. B. Einbeziehung der internen und externen Stakeholder) verantwortlich.

Christiane Oldenburg Christiane Oldenburg
Die rechtlichen Rahmenbedingungen des BEM stießen auf großes Interesse.

Fazit: Komplex, aber wirkungsvoll

Die Teilnehmenden vor der Metaplanwand. Die Teilnehmenden vor der Metaplanwand.
Die Teilnehmenden konnten viele eigene Beispiele und Ideen beitragen.

In der anschließenden Diskussion wurde intensiv über die Regelungen von Urlaub oder Krankheit während der Wiedereingliederung gesprochen. Während Urlaub nur in Ausnahmefällen genehmigt wird, ist eine Pausierung oder Unterbrechung (bis zu 7 Tagen) möglich, nach längerer Unterbrechung eventuell auch ein Neustart.

Die stufenweise Wiedereingliederung stellte sich als komplexer Prozess heraus, mit vielen Einzelregelungen und individuellen Besonderheiten bei jedem einzelnen BEM-Fall.

Die Teilnehmenden wünschten sich eine Fortsetzung des Austausches zu folgenden Punkten:

  • BEM als Anker für das BGM
  • Hard facts: rechtliche Fragen (Literatur)
  • Unterschiedliche Strukturen und Kulturen
  • psychische Erkrankungen (Mitarbeitende und Fachkräfte)
  • Best Practice: kreative Lösungen
Susanne Sabisch-Schellhas an der Metaplanwand Susanne Sabisch-Schellhas an der Metaplanwand
Susanne Sabisch-Schellhas notiert die Fragen der Teilnehmenden.